Eine der häufigsten Fragen, die mir in Beratungsgesprächen gestellt werden, ist, ob Stillen mit Brustimplantaten möglich ist. Dieser weit verbreitete Zweifel hat im Laufe der Jahre zu zahlreichen Mythen und Fehlinformationen geführt und viele Frauen dazu veranlasst, sich nach einer Brustvergrößerung unnötig Sorgen darüber zu machen, ob sie stillen können. Oft erzählen mir einige Patientinnen, dass sie gelesen oder gehört haben, dass es nach einer Brustvergrößerung nicht möglich sei, zu stillen (oder die Ablehnung von Brustimplantaten) oder dass manche Schnitttechniken, wie etwa die durch den Warzenhof, Probleme verursachen könnten. Ich möchte jedoch klarstellen, dass diese Aussage nichts weiter als ein unbegründeter Mythos ist und dass das Stillen nach einer Brustimplantatoperation in den meisten Fällen keine Probleme bereitet.
Brustimplantologie: Submuskuläre Technik und Stillen
Wenn es um Brustimplantate und Stillen geht, ist es wichtig zu verstehen, wie die Operation durchgeführt wird und welche Auswirkungen sie auf die Brustanatomie hat. Es gibt verschiedene Operationstechniken zum Einsetzen von Brustimplantaten, in meiner Praxis verwende ich jedoch ausschließlich die submuskuläre Technik. Gerade beim Stillen bietet diese Vorgehensweise zahlreiche Vorteile. Durch die Platzierung des Implantats unter dem Brustmuskel kommt das Implantat nicht in direkten Kontakt mit der Brustdrüse oder den Milchgängen. Auf diese Weise fungiert der Muskel als Schutzbarriere und minimiert das Risiko, dass das Implantat das Stillen beeinträchtigt.
Viele Patientinnen glauben, dass der Schnitt durch den Warzenhof die Stillfähigkeit beeinträchtigen könnte, da dieser sich in der Nähe der Milchgänge befindet. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass bei einer korrekten Schnittführung sowohl durch den Warzenhof als auch durch die Unterbrustfalte die Milchgänge und Brustdrüsen nicht nennenswert beeinträchtigt werden.
Meiner Erfahrung nach gibt es beim Stillen keinen nachgewiesenen Unterschied zwischen den verschiedenen Schnittarten, sei es durch den Warzenhof oder die Unterbrustfalte, solange die richtigen Techniken befolgt werden.
Wissenschaftliche Studie mit medizinischer Expertise
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere wissenschaftliche Studien mit dem Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und der Stillfähigkeit befasst und überzeugende Belege für die Sicherheit des Stillens mit Implantaten geliefert. Eine der bedeutendsten Studien wurde von Dr. John L. Semple und seinem Team an der Universität Ontario durchgeführt und die Ergebnisse 1998 und 2007 veröffentlicht. In dieser Studie wurden zwei Gruppen von Frauen verglichen: eine, die mit Brustimplantaten gestillt hatte, und eine, die keine Implantate hatte. Die Ergebnisse zeigten, dass es zwischen den beiden Gruppen keinen signifikanten Unterschied in der Menge oder Qualität der Muttermilch gab.
Diese Studie untermauert die Annahme, dass Brustimplantate keinen negativen Einfluss auf das Stillen haben, was Frauen, die sich für eine Brustvergrößerung entschieden haben, beruhigen sollte.
Dabei zeigte sich nicht nur, dass Frauen mit Implantaten keine Probleme beim Stillen hatten, sondern es wurde auch eine interessante Entdeckung gemacht: Der Siliziumgehalt (ein Bestandteil von Silikon) war in Kuhmilch oder Säuglingsnahrung deutlich höher als in der Milch von Frauen, die sich einer Brustvergrößerung unterzogen hatten. Diese Daten unterstreichen die Sicherheit moderner Brustimplantate und die geringe Wahrscheinlichkeit, dass sie das Stillen beeinträchtigen.
Silikon und seine Sicherheit im Körper
Es ist wichtig, einen Schlüsselbegriff zu klären, der bei vielen Menschen für Verwirrung sorgt: Das in Brustimplantaten verwendete Silikon ist ein äußerst sicheres Material und unterliegt strengen Qualitätskontrollen. Aktuelle Brustimplantate bestehen aus einem kohäsiven Silikongel. Das bedeutet, dass sich der Inhalt nicht im Körper verteilt, wenn eines davon reißt. Anstatt sich auszubreiten, bleibt das Gel intakt, wodurch das Risiko gesundheitlicher Probleme weiter verringert wird.
Viele Menschen befürchten, dass Silikon beim Stillen „auslaufen“ könnte. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass dies nicht passiert. Silikon kann nicht durch die Brustwarze entweichen und wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass Muttermilch höhere Mengen an Silikon oder Silizium enthält als die natürlichen Mengen in anderen Produkten. Tatsächlich ist Silizium das zweithäufigste Element in der Erdkruste und kommt in zahlreichen Nahrungsmitteln vor, beispielsweise in Reis, Gemüse, Bier und sogar in menschlichen Zähnen, Knochen und Haut. Daher ist die Annahme, dass Frauen mit Implantaten Silikon über die Muttermilch an ihre Babys weitergeben können, unbegründet.
Darüber hinaus unterliegen Brustimplantate einer ständigen Überwachung durch Gesundheitsbehörden wie die FDA (Food and Drug Administration in den Vereinigten Staaten) und Aufsichtsbehörden in Europa. Diese Einrichtungen führen strenge Kontrollen durch, um sicherzustellen, dass Brustimplantate sicher sind und dass mit ihrer Verwendung keine Nebenwirkungen verbunden sind. Tatsächlich ist das in Brustimplantaten verwendete Silikon viel stärker reguliert und erforscht als viele andere medizinische Materialien, wie etwa Herzklappen oder Gelenkprothesen, die ebenfalls aus Silikon bestehen.
Stillen: Ein natürlicher und sicherer Prozess
Stillen ist ein natürlicher Vorgang, der nachweislich zahlreiche Vorteile für Mutter und Kind mit sich bringt. Die meisten Frauen, die sich einer Brustvergrößerung unterzogen haben, können problemlos stillen. Es ist wichtig zu bedenken, dass der Stillvorgang nicht ausschließlich vom Vorhandensein oder Fehlen von Implantaten abhängt, sondern vielmehr vom allgemeinen Gesundheitszustand der Mutter und der Fähigkeit ihrer Milchgänge, Milch zu produzieren. Das Einsetzen von Brustimplantaten sollte diese Fähigkeit nicht beeinträchtigen, sofern die richtigen Empfehlungen und Techniken befolgt werden.
In einigen Ausnahmefällen kann eine Brustoperation das Stillen beeinträchtigen. Dies liegt jedoch normalerweise an Operationskomplikationen, Infektionen oder bereits bestehenden anatomischen Faktoren, die die Brustdrüse beeinträchtigen. In diesen Fällen ist es wichtig, dass die Patientinnen eine Stillberaterin oder ihren plastischen Chirurgen konsultieren, um die besten Optionen und Alternativen zu ermitteln.
Was tun, wenn Sie Implantate haben und stillen möchten?
Wenn Sie nach einer Brustvergrößerungsoperation das Stillen in Erwägung ziehen, ist es am wichtigsten, eine offene Kommunikation mit Ihrem plastischen Chirurgen und Kinderarzt aufrechtzuerhalten. Ihr Chirurg kann Ihnen erklären, wie die Operation durchgeführt wurde und ob Sie besondere Bedenken hinsichtlich des Stillens haben. In den meisten Fällen ist das Stillen genauso einfach und natürlich wie für Frauen ohne Brustimplantate.
Wenn Sie Schwierigkeiten beim Stillen haben, können Sie verschiedene Strategien befolgen. Zunächst ist es wichtig, sicherzustellen, dass Ihr Baby richtig angelegt ist und keine Probleme beim Saugen hat. Bei Fragen können Sie sich an eine Stillberaterin wenden, die Ihnen dabei helfen kann, eine geeignete Stillroutine zu etablieren. In einigen Fällen können Brustwarzenstimulationstechniken oder Milchpumpen eingesetzt werden, um bei Bedarf die Milchproduktion zu steigern.
Fazit: Ja, Stillen mit Implantaten ist möglich
Kurz gesagt, die Antwort auf die Frage „Kann man mit Implantaten stillen?“ Es ist ein klares Ja. Wissenschaftliche Studien, klinische Erfahrungen und die Sicherheit der in Brustimplantaten verwendeten Materialien stützen die Annahme, dass Stillen nach einer Brustvergrößerungsoperation sicher ist. Der Schlüssel liegt in der Wahl eines erfahrenen plastischen Chirurgen, der geeignete Techniken anwendet und während des Stillens die Sicherheit sowohl der Patientin als auch des Babys gewährleistet.
Wenn Sie Brustimplantate haben und sich Sorgen um das Stillen während einer Brustvergrößerung, empfehle ich Ihnen, sich mit Ihrem cirujano plastico und mit einem Spezialisten und sehen Sie die vor und nach der Brustvergrößerung. Die meisten Frauen können problemlos stillen und das Vorhandensein von Implantaten sollte kein Hindernis darstellen.



